Trends, Urban Gardening

Guerilla Gardening – bepflanzte Baumscheiben…

17. Mai 2015
guerilla gardening berlin

Woher kommt eigentlich das Guerilla Gardening?

Das Gärtnern als politischer Protest und als Kunstaktion entstand in New York City in den 70ern. Es geht darum die Stadt zu begrünen, auch an Stellen wo man vielleicht sonst nicht hinkommt, etwas zu gestalten, ungenutzte Flächen bzw. die Stadt zu verschönern, für mehr Lebenqualität im Kiez, es ist ein Ausdruck von Kreativität und bringt Menschen zusammen.

Guerilla Gardening in Berlin

Fahre ich durch die Stadt, sehe ich immer mehr schön gestaltete Baumscheiben und selten werden sie wieder beräumt. Brachflächen wurden bepflanzt, viele Gartenprojekte sind entstanden und für die Bepflanzung der Baumscheiben erhält man mittlerweile schon Anleitungen, z.B. bei Naturschutzverbänden. Teilweise gibt es sogar schon Verträge mit den Ämtern der Stadt für die Begrünung der Baumscheiben und wenn ich einen Seedball brauche, kann ich ihn mir an der Supermarktkasse im Bioladen kaufen. Guerilla Gardening und urbanes Gärtnern liegt im Trend!

guerilla gardening berlin

Es wird gegärtnert auf Bauscheiben, an Zäunen, auf Treppen vor geschlossenen Geschäften, an Straßenschildern usw.
Meine Nachbarn legten einen kleinen Garten auf der Brachfläche gegenüber an und ganz in der Nähe fangen die Anwohner an einen kleinen Park zu pflegen, da die Stadt scheinbar keine finanziellen Reserven mehr hat für die Grünflächenpflege. Baumscheiben werden bepflanzt und kleine Zäune drumherum gebaut, es entstehen manchmal richtig kleine Gärten mit gelben Warnschildern, die drauf hinweisen, dass hier kein Platz mehr ist für Müll und Hundkot.
Das spannende daran ist, dass die Menschen selber aktiv werden und es immer auch mit dem Risiko verbunden ist, dass die Bepflanzung zerstört wird, jemand doch sein Hund sein Geschäft ins frisch bepflanzte Beet machen lässt oder der Pflegetrupp von der Stadt die Bienenweide wieder raus rupft.

Es wird gegärtnert, von der älteren Dame im Mietshaus, die ein paar schöne Blumen beim Blick aus dem Fenster sehen möchte, über die Familie, die Samen mit ihren Kindern aussäht um etwas wachsen zu sehen, bis hin zu Ladeninhabern, die den Bereich vor ihrem Geschäft verschönern möchten und alle anderen, die einfach Lust auf Pflanzen haben. Stockrosen wachsen auf bisher tristen Verkehrsinseln, Blumentöpfe werden an Schildern befestigt, Tulpen überraschen einem an Stellen wo bisher nur Zigarettenkippen und Bierdeckel entsorgt wurden.

guerilla gardening berlin

Den Wildwuchs auf einer Baumscheibe mag ich ja auch sehr gerne beobachten, aber säht man eine Blumenmischung auf der Baumscheibe aus, z.B. für Bienen, wird es etwas bunter und man tut noch etwas für die Bienen. Es macht einfach Spaß zu Gärtnern, vielleicht zum runterkommen vom Stadttrubel, zum Anbau von eigenem Obst und Gemüse, als sportliche Aktivität oder um etwas zu gestalten. Da viele keine Möglichkeit haben einen eigenen Garten in der Stadt zu besitzen, kann man ja auch die Baumscheibe vorm Haus bepflanzen oder die immer weniger werdenden Brachflächen in Berlin zum Gartentreff umfunktionieren, ein schöner Nebeneffekt ist auch, dass man dabei seine Nachbarn kennen lernt.

Impressionen von Guerilla Gärten im Frühling in Berlin

Hier noch ein paar aktuelle Bilder von bepflanzten Baumscheiben uvm. in Berlin. Vielleicht bekommt ja der ein oder andere dadurch Lust auch eine Baumscheibe vor seinem Haus zu verschönern?

 

Schade eigentlich, dass gerade jetzt so viele Lücken geschlossen werden und man somit viele potentielle Flächen fürs Guerilla Gardening verliert, aber es gibt ja auch noch Seedbombs. ;-)

Wer sich mehr über das Guerilla Gärtnern informieren möchte googelt einfach mal den Begriff selber oder: Richard Reynolds oder Greenguerillas.

Einen interessanten Text zum Guerilla Gardening findet man auch im Buch: „Urban Gardening, Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt“, Herausgeberin ist Christa Müller.

 

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